Berlin-Spandau

Gemeinschaftsunterkunft für 550 Personen

In einem ehemaligen Industriegebäude in Spandau-Stresow sind seit November 2015 bis zu 550 Menschen aus mehr als 15 Nationen untergebracht. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Irak und Afghanistan. Die „Pichi“, wie das Haus intern genannt wird, ist eine Gemeinschaftsunterkunft. Die Bewohner*innen versorgen sich selbst und führen somit einen selbstbestimmten Alltag. In insgesamt 101 Apartments, die jeweils über eine eigene Küchenzeile und ein Duschbad verfügen, wohnen auf fünf Etagen größtenteils Familien, aber auch Einzelpersonen in Wohngemeinschaften. Mehr als die Hälfte unserer Bewohner*innen sind Kinder und Jugendliche.

Ein multikulturelles Team in den Bereichen Sozialdienst, Verwaltung, Kinderbetreuung, Hausbesorgung, Sprachmittlung und Ehrenamtskoordination sorgt für einen reibungslosen Ablauf im Unterkunftsalltag und unterstützt die Bewohner*innen in allen Angelegenheiten, die ihre Integration in die Strukturen vor Ort betreffen. Der Sozialdienst steht den Bewohner*innen bei allen möglichen Fragen bzgl. ihres Aufenthalts, ärztlicher Versorgung, Wohnungssuche sowie bei Fragen zu Kita oder Schule und vielen anderen Themen zur Seite. Auch verfügt die Unterkunft über einen Kinderklub, in dem die Kinder der Bewohner*innen nach Altersgruppen betreut werden.

Die Unterkunft - am Rande eines Gewerbegebietes gelegen – hat wenig direkte Nachbarschaft. Trotzdem erfahren die Bewohner*innen Unterstützung beim Neustart und bei der Eingliederung in die neuen Strukturen vor Ort, sowohl durch engagierte Einzelpersonen, als auch durch Vereine, Verbände und Träger aus der näheren und weiteren Umgebung.

Durch engagierte Einzelpersonen erfahren wir großartige Unterstützung, so werden z.B. Nachhilfe, eine offene Nähwerkstatt und eine Kunst-AG für Kinder angeboten. Des Weiteren gibt es eine Fußballmannschaft, die zwei Mal pro Woche unter der Anleitung zweier ehrenamtlicher Trainer auf dem Gelände von Blau-Weiß Spandau trainiert. Außerdem haben sich mehrere Familienpatenschaften gebildet, bei denen Ehrenamtliche engen Kontakt zu einzelnen Familien pflegen und diesen mit Rat und Tat zur Seite stehen, z.B. über die Traglinge e.V. oder das Programm „Känguru helps Refugees“ der Diakonie Berlin-Brandenburg.  

Neben den engagierten Ehrenamtlichen besteht ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit diversen Vereinen, Einrichtungen und Trägern. Sehr aktiv ist der Spandauer Kompaxx e.V. Dieser hat zusammen mit Kindern in der Unterkunft einen der Gemeinschaftsräume umgestaltet, der jetzt als Jugendclub genutzt wird und mit einem Tischkicker, einem Billardtisch und einer Sitz- und Spieleecke ausgestattet ist. Freiwillige des Vereins betreuen den Jugendclub mehrmals pro Woche. Neben Ferienprogrammen hat Kompaxx e.V. außerdem bereits Ausflüge für die Kinder und Jugendlichen organisiert, wie z.B. Stadtführungen zu interessanten Orten in Spandau oder zu Kinder- und Jugendeinrichtungen in der Umgebung. Einige Kinder nutzen auch regelmäßig das von Kompaxx e.V. angebotene Projekt „Bildungsbrücken“, ein Nachhilfe-Angebot in der Spandauer Stadtbibliothek.

Ebenfalls sehr engagiert ist das Spandauer Team von OUTREACH Mobile Jugendarbeit, die sich mit ihren Aktivitäten vor allem an Jugendliche ab 14 Jahren richten und neben verschiedensten Angeboten in ihren eigenen Räumen auch regelmäßig den Jugendclub der Unterkunft betreuen. 

Mit der G.I.Z. Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben e.V. besteht ebenfalls eine gute Zusammenarbeit: Neben regelmäßigen Übersetzungs- und Dolmetschdiensten werden in der Unterkunft wöchentlich Beratungen auf Arabisch und Farsi angeboten. Außerdem bietet der G.I.Z. e.V. einen Deutsch- und Orientierungskurs für die Bewohner*innen des Hauses an.

Mitarbeiterinnen der Psychologischen Beratungsstelle Spandau des Evangelischen Johannesstifts etablieren derzeit einen regelmäßigen Frauentreff in der Unterkunft.

Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit dem Familienzentrum Stresow. Einige Bewohnerinnen nutzen z.B. das Angebot „Deutsch mit Kind“ oder die offene Hebammensprechstunde. Das FamS führt auch regelmäßig Familiennachmittage, ein Vorschulprogramm oder Aktivitäten in den Ferien durch.

Einmal pro Woche leiten engagierte Mitglieder des „Schachclubs Weiße Dame e.V.“ einen Schachtreff in der Pichi an.

Ein großes Dankeschön gilt auch dem Kleingartenverein Kolonie Schlangengraben, der uns als „direkter Nachbar“ regelmäßig mit Sachspenden unterstützt, so z.B. mit einer Aktion zu Nikolaus oder mit einer großen Spielzeugspende im Sommer, bei der die Vereinsmitglieder Geld gesammelt und davon Bälle, Hula-Hoop-Reifen und viele weitere Outdoor-Spielsachen für die Kinder der Unterkunft angeschafft haben.

Ein weiteres Projekt wurde zusammen mit dem Spandauer „Klang-Holz e.V.“ entwickelt, einem freier Träger der Jugendhilfe, der sich der Förderung und Vermittlung alten Handwerks und handgemachter Musik verschrieben hat. Einmal pro Woche erhalten interessierte Bewohner*innen generationenübergreifend Musik- und Gitarrenunterricht. Neben dem Erlernen eines Instruments, des Notensystems oder den Grundlagen der Harmonielehre steht hierbei das gemeinsame Singen von Liedern im Vordergrund.

Im Rahmen der Berlin Mondiale entstand eine Kooperation mit dem C/O Berlin. Die Zusammenarbeit startete mit einem viertägigen Fotoworkshop in den Herbstferien, bei dem sich unter dem Motto „Zeig dich!“ eine Gruppe Jugendlicher als Fotograf*innen ausprobieren konnten. Derzeit befindet sich eine regelmäßige Foto- und Filmwerkstatt im Aufbau.

Die neueste Kooperation besteht mit dem Zirkus CABUWAZI. CABUWAZI Beyond Borders ist ein mobiles Team, das Zirkuskurse und Workshops für verschiedene Altersgruppen in der Unterkunft durchführt. Ziel ist es, den Teilnehmenden einen Einblick in die Zirkusartistik zu bieten, sodass diese dabei persönliche Stärken entdecken können und das soziale Miteinander gefördert wird.

Für Engagierte und Vereine gibt es in der Unterkunft eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich einzubringen – alle Ideen, die den Alltag der Bewohner*innen bereichern, den Neustart in der ungewohnten Umgebung erleichtern und Begegnungen schaffen, sind willkommen! Wer sich in einem bestehenden Projekt einbringen oder eine eigene Projektidee umsetzen möchte, meldet sich einfach bei der Ehrenamtskoordination unter ehrenamt-pichelswerder@prisod-wohnen.de