Berlin-Spandau

Notunterkunft für 1000 Personen

„Die Menschen waren auf einmal da.“ Diese Aussage fällt häufig, wenn wir uns an die Anfänge in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne (kurz SKK) erinnern. Für uns als Wohnheimbetreiber galt es ohne Vorbereitungszeit, sowohl die unmittelbaren Aufgaben aus der Bedarfssituation heraus zu bewältigen als auch Versorgungsstrukturen und eine tragfähige Verwaltung aufzubauen. Dies war eine in vielerlei Hinsicht einzigartige Herausforderung, die nur mit unbegrenztem Einsatz und mit Hilfe vieler Akteure möglich war.

In Spandau war diese Situation im August 2015 gegeben, als die geflohenen Menschen kamen und kurzfristig in den Kasernengebäuden aufgenommen wurden. 700 Menschen mussten übergangsweise in einem aus 70 Zelten bestehenden Zeltdorf auf dem ehemaligen Exerzierplatz untergebracht werden. Eine unser Sozialarbeiterinnen schilderte ihre Erfahrung in dieser Zeit: „Ich stieg mit meinem Klemmbrett aus dem Bus und dann ging es an der Busstation los.“ Das Klemmbrett hat sie nach wie vor im Einsatz.

Mittlerweile umfasst die Notunterbringung Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne (Stand Januar 2017) neun Gebäude. Diese sind in einen Altbestand (fünf Gebäude, die von Anfang an genutzt wurden) und den Neubestand (drei weitere Gebäude seit 2015) aufgegliedert. Die fünf Gebäude des Altbestandes bieten bis zu 1000 geflohenen Menschen aus weltweiten Krisengebieten eine Bleibe.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sind in folgenden Bereichen tätig: Sozialarbeit, Sprachmittlung, Verwaltung, Ehrenamtskoordination, Hausbesorgung, Kinderbetreuung sowie Hygienemittel- und Essensausgabe. Zwei Kantinen leisten die Vollverpflegung. Die Versorgung zeichnet sich durch einen hohen Frischeanteil, die Berücksichtigung arabisch-asiatischer Gerichte und die Einbindung regionaler Lieferanten aus. Die Sozialteams und Sprachmittler*innen unterstützen die Bewohner*innen bei Amtsgängen, Familien- und Schulangelegenheiten sowie der medizinischen Versorgung. Zudem setzt die PRISOD in der SKK im Rahmen eines Pilotprojekts einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ein, der das Kinderbetreuungsteam in schwierigen Fällen unterstützt. Unter unermüdlichem Einsatz der Bezirksbehörden, der Nachbarschaft, zahlreicher Freiwilliger, örtlicher Vereine und unserer Beschäftigten ist es gemeinsam gelungen, eine gut funktionierende Unterbringung auf die Beine zu stellen. Wir danken allen Akteur*innen und Engagiert*innen für ihre Bemühungen und ihr beispielloses Durchhaltevermögen.

Um unsere Bewohnerinnen und Bewohner auf ihrem Weg des Spracherwerbs, des Bildungszugangs und der Arbeitssuche zu unterstützen, zählen wir sowohl auf die Hilfe zahlreicher aktiver Bildungsträger und Verbände als auch das Engagement vieler Ehrenamtlicher.

Die medizinische Versorgung wird von dem durch die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH betriebenen MediPoint gewährleistet. Das Team, bestehend aus fünf Allgemeinärztinnen und -ärzten, drei Fachärztinnen und -ärzten sowie drei Fachangestellten, ist an allen Wochentagen tätig.

Den Bewohnerinnen und Bewohnern steht ein breit gefächertes Angebot in der Sprachförderung, der Arbeitsmarktintegration, der Freizeitgestaltung, der allgemeinen Beratung und der Grundversorgung zur Verfügung.

In unserem Mutter-Kind-Raum berät trialog e.V. Erstgebärende. Ihr Angebot umfasst Rat bei Erziehungsfragen und in Konflikten sowie Ernährungs- und Impfberatung. Eine wichtige ehrenamtliche Initiative ist die vom Netzwerk Wilhelmstadt hilft betriebene Kleiderkammer, in der sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner in einer ausschließlich mit Spenden ausgestatteten Kleiderkammer einkleiden können. Die Bedarfsliste der Kleiderkammer wird fortlaufend aktualisiert. Auch Spielsachen finden in unserer Spielzeugkammer dankbare Abnehmer. Das ansprechende Motto des Netzwerkes lautet „Einfach helfen“. Ehrenamtliche bieten ein umfangreiches Angebot an, zum Beispiel ein Lerncafé für Erwachsene oder Yoga für Frauen. Im Altbestand befindet sich die von der BUF Berlin ins Leben gerufene Nähwerkstatt.

Die Bedeutung des Spracherwerbs spiegelt sich in der Vielfalt der Angebote wider: Beim zertifzierten Bildungsträger Acacia Campus nehmen unsere Bewohnerinnen und Bewohner an mehrwöchigen Sprachkursen teil, in denen auch zukunftsperspektivisch beraten und Bewerbungs-Knowhow vermittelt wird. Von der Agentur für Unternehmen werden Deutschbasiskurse angeboten. Die Volkshochschule Spandau trägt mit ihrem Deutschkursangebot, das allen Bewohnerinnen und Bewohnern offen steht, in hohem Maße zur erfolgreichen sprachlichen Integration bei. Auch für unsere Ehrenamtlichen wird ein kostenloser Sprachkurs in Arabisch angeboten. Vor Ort angedacht ist außerdem die sprachliche Förderung junger Mütter mit parallel stattfindender Kleinkindbetreuung.

Die Beratung rund um einen Arbeitsplatz und die notwendigen Zugangsvoraussetzungen bietet Job Point. Es handelt sich dabei um ein niederschwelliges und unbürokratisches Angebot. Das Deutsch-Arabische Zentrum für Bildung und Integration berät geflohene Menschen bei Vertragsabschlüssen und in rechtlichen Fragen. Vor Ort begleiten und vermitteln die Integrationslots*innen sprachlich in Arabisch, Farsi, Französisch, Türkisch und Kurdisch. Außerdem finden auch wiederholt Orientierungskurse der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben e.V. statt.

Um bei den Kindern positive Verbindungen mit ihrer neuen Umgebung zu schaffen, setzen wir auf erfahrene Partner*innen, die neben dem Spracherwerb unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Durch die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit gGmbH (GSJ) entsteht ein regelmäßiges Nachmittagsprojekt, das unsere Kinder begeistert. Dabei wird auch der Sportjugendclub Wildwuchs wöchentlich besucht. Wir profitieren von der Erfahrung, die die GSJ und der SJC Wildwuchs im Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben. Bei unserem Kooperationspartner Cabuwazi GrenzKultur gGmbH lernen die Kinder jonglieren und weitere zirzensische Fähigkeiten, die unter anderem ihre Motorik fördern. In der Gemeinschaft stärken die Kinder und Jugendlichen ihre Sozialkompetenzen. Unter Anleitung des Vereins Peace Train Berlin e.V. arbeiten die Kinder gestalterisch und können dabei Erlebtes verarbeiten. Die Al-Farabi Musikakademie ermöglicht ihnen den Zugang zum Instrumentalunterricht. Angedacht ist ein Kinder-Orchesterprojekt für Kinder mit und ohne Fluchterfahrung.

Das Besondere an der SKK ist unter anderem die Größe des Areals. Die Entwicklung dieser Unterkunft ist in Bewegung. So werden derzeit zwei Spielplätze gebaut. Zusätzlich werden ein Gartenpavillon und Gartenbänke zum Verweilen aufgestellt. Es gibt interessante Ansätze, wohin die weitere Standortentwicklung gehen soll. Wir freuen uns auf neue Herausforderungen und legen unseren Fokus fortwährend auf die frühzeitige erfolgreiche Eingliederung der geflohenen Menschen in das soziale Umfeld. Die Diversität sehen wir als Potential. Im Dialog mit der Nachbarschaft und dem Bezirk fördern wir die Teilhabe unserer Bewohnerinnen und Bewohner als neu ankommende Mitglieder unserer Gesellschaft. Wenn auch Sie sich ehrenamtlich engagieren wollen, wenden Sie sich bitte an unsere Netzwerk- und Ehrenamtskoordination.