Berlin-Reinickendorf (H24)

Gemeinschaftsunterkunft für 300 Personen

Wenn innerhalb der PRISOD von der „Nervenklinik“ gesprochen wird, meinen wir die vier Unterkünfte auf dem Campus der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Die psychiatrische Klinik war bis 2006 in Betrieb und im Berliner Volksmund als „Bonnies Ranch“ bekannt. Inzwischen befinden sich in den Gebäuden auf dem weitläufigen Gelände verschiedene Organisationen, Vereine und Unternehmen. Ins Auge stechen das Krankenhaus für den Maßregelvollzug mit seinen hohen Mauern und Sicherheitszäunen und der benachbarte Ponyhof. 

In unseren vier Unterkünften finden insgesamt etwas über 900 geflüchtete und asylsuchende Personen eine Bleibe. Aus den Zeiten der Nervenklinik ist die Nummerierung der Gebäude geblieben. In den Häusern 2 und 6 betreiben wir Notunterkünfte für 102 bzw. 200 Personen. Haus 24 wurde im Juni 2013 für 300 geflüchtete Menschen hergerichtet und ursprünglich als Notunterkunft eröffnet. Durch unsere umfangreichen Bauarbeiten, u.a. die Installation sanitärer Anlagen und den Ausbau gemeinschaftlicher Küchen, konnte das Gebäude jedoch auf den Standard einer Gemeinschaftsunterkunft angehoben werden, so dass die hier lebenden Familien einen selbstbestimmten Familienalltag leben können. Haus 24 und 25 unterstehen einer gemeinsamen Heimleitung. Da die Häuser zudem direkt nebeneinander liegen, richten sich viele Angebote gleichermaßen an alle Bewohner*innen.

Durch die etwas abgelegene Lage stellen sich den Bewohner*innen und dem engagierten Team vor Ort einige Herausforderungen, es ergeben sich aber auch Vorteile: Inmitten der wunderschönen Grünanlage, alter Gemäuer und gegenüber eines Streichelzoos bleiben die Beschwerden über Ruhestörung in der Nachbarschaft aus, mit denen manche Unterkunft in dicht besiedelten Wohngegenden zu kämpfen hat. Es fehlen allerdings auch nahegelegene Supermärkte, Cafés oder Jugendfreizeiteinrichtungen. Die Umstände dieser etwas abgeschiedenen Lage werden jedoch mehr als wettgemacht durch ehrenamtliche Unterstützerkreise und unsere enge Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Vereinen und Initiativen.

Für Hilfestellungen und Unterstützung unserer Bewohner*innen sowie Angebote zur Integration kommen viele engagierte Menschen und Vereine aus der Nachbarschaft ins Haus 24: Der Verein Gangway e.V. kommt einmal die Woche mit erfahrenen Streetworker*innen. Er integriert geflüchtete Kinder und Jugendliche mit der Methode "Theater der Unterdrückten" nach Augusto Boal, einem Ansatz, der mit Laienschauspieler*innen arbeitet und die Selbsterfahrung in den Vordergrund stellt. Kein Abseits e.V. gehört ebenfalls zu unseren fest etablierten Partner*innen. Manche unserer Kinder bekommen wertvolle Unterstützung und Hilfestellung durch ein langfristiges 1:1 Mentoring. Im besten Fall gelingt es dem Verein sogar, eine Gruppenreise ins Sommercamp zu ermöglichen.

In einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, die vom Netzwerk Willkommen in Reinickendorf (WiR) betreut wird, können Geflüchtete Fahrräder reparieren und ausleihen. Wer sein Bastler-Know-How, gebrauchte Fahrräder oder Zubehör spenden möchte, wendet sich bitte an fahrradwerkstatt[at]wir-netzwerk.de. Der Verein Baufachfrau e.V. und das Bezirksamt Reinickendorf haben das Projekt Women's Area ins Leben gerufen. Geflüchtete und Reinickendorfer Mädchen und Frauen renovieren und gestalten zwei Zimmer nach ihren eigenen Vorstellungen, um einen gemütlichen Aufenthaltsraum und Rückzugsort zu erhalten. Wichtig ist dem Verein, dass Frauen als Akteurinnen gestärkt werden und lernen, ihr Talent zu nutzen. Wenn alles gut läuft, werden sogar eigene Tische und Stühle hergestellt. Für das Projekt suchen wir ehrenamtliche Frauen aus der Nachbarschaft, die Lust haben, bei der Renovierung mitzuhelfen und syrische, irakische oder afghanische Frauen kennenzulernen. Interessierte melden sich bitte unter post[at]baufachfrau-berlin.de.

Der gemeinnützige Albatros e.V. holt einmal die Woche eine Gruppe von Mädchen ab, damit sie sich im interkulturellen Mädchentreff austauschen, gemeinsam spielen und voneinander lernen können. Unsere genderspezifischen Angebote wenden sich jedoch nicht ausschließlich an Frauen und Mädchen. Das von der LebensWelt gGmbH angebotene Vätertreffen richtet sich an geflüchtete Väter und ihre Kinder. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ werden Deutschkenntnisse vertieft, zu Alltags- und Erziehungsfragen beraten, gemeinsam gekocht und gegessen oder Ausflüge organisiert. Ziel ist es, besonders alleinerziehende Väter zu entlasten und in ihrer Rolle zu stärken.

Jeden Freitag erhalten wir großzügige Essensspenden, die von Laib und Seele über die Berliner Tafel e.V. gebracht werden. Mit Unterstützung des Netzwerks „Willkommen in Reinickendorf“ gelingt es uns, Asylsuchende mit kostenlosen Extras zum Speiseplan zu erfreuen. Wenn auch Sie sich ehrenamtlich engagieren wollen, wenden Sie sich bitte an unsere Netzwerk- und Ehrenamtskoordination.